Blitzvergleich: Godox TT 685 S vs. Nissin Di 700 A

Blitzvergleich: Godox TT 685 S vs. Nissin Di 700 A

Nissin und Godox haben Blitzgeräte im Programm, die per Funkfernsteuerung bedient werden können, TTL- sowie HSS-fähig und für mehrere Kamerasysteme erhältlich sind. Wie schneiden die Geräte in der Sonyversion im Vergleich ab?

Wer für seine Kamera ein Blitzsystem mit  Funkfernsteuerung sucht, wird heutzutage recht schnell fündig. Zum Beispiel bei Yongnuo, einem der bekanntesten Anbieter für günstige Blitze mit Funkbetrieb. Insbesondere Nutzer von Nikon oder Canon greifen gerne auf den chinesischen Hersteller zurück. Sony bleibt bei Yongnuo noch immer außen vor, zumindet wenn es um die Kombination Funk + TTL geht. Yongnuo-Blitze gibt es aktuell noch nicht mit dem TTL-Protokoll von Sony.

Nissin Di 700 A vs. Godox TT 685: Japan vs. China, LED vs. LCD, Reduktion vs. Tradition

zwei Kompaktblitzgeräte, schräg von vorne.
Alternativen zu den Sony-Originalblitzen: Godox TT 685 S und Nissin Di 700 A.

Sony-Fotografen müssen deshalb aber nicht auf funkgesteuerte TTL-Blitze verzichten, sie werden fündig zum Beispiel bei Nissin oder bei Godox. Beide Hersteller haben Funk-Blitze mit TTL und Highspeed-Synchronisation (HSS) im Angebot, die auch für Sony-Kameras passen – zumindest auf den aktuellen Blitzschuh. Ich habe sowohl den Nissin Di 700 A als auch zwei Godox TT 685 in Gebrauch. Den Nissin nutze ich schon gut ein Jahr, die Godox kamen vor kurzem hinzu. Nissin versus Godox heißt Japan gegen China, heißt LED versus LCD, heißt reduziertes gegen traditionelles Bedienkonzept.

Geringe Unterschiede bei Leistung, Gewicht und Abbrennzeiten

Der Nissin Di 700 A und der Godox TT 685 haben viel gemeinsam. Sie sind gut verarbeitet, das Material fühlt sich wertig an, und schaut man in die Datenblätter, muss man schon genauer suchen, um relevante Unterschiede zu finden. Beide können drahtlos per Funk oder optischem Signal ausgelöst und gesteuert werden, sie beherrschen TTL, können im HSS-Modus, also mit Verschlusszeiten jenseits der Synchronzeit arbeiten, haben eine vergleichbare Leistung und ein vergleichbares Gewicht. Gerade mal 30 Gramm trennen die beiden.

Die Leitzahl des Di 700 A gibt Nissin mit 54 an, Godox beziffert die des TT 685 auf 60, jeweils bei voller Leistung und bezogen auf 200 mm Brennweite. In der Praxis hat sich der Nissin im Vergleich mit dem Metz AF-58 2 als etwas schwächer gezeigt. Der Metz hat eine Leitzahl von 58 bezogen auf 105 mm. Aufgefallen ist mir das, als ich statt des Metz den Nissin mit der SMDV Speedbox 70 nutzte. Die Leistung musste beim Nissin im manuellen Modus immer etwas höher eingestellt werden.

Die Bandbreiten der Abbrennzeiten des Di 700 A und des TT 685 sind zwar nicht identisch, aber vergleichbar. Bei Nissin reichen sie von 1/800 Sekunde bis zu 1/30.000 Sekunde, beim Godox dauert der Lichtimpuls zwischen 1/300 und 1/20.000 Sekunde.

Godox TT 685: Etwas mehr Ausstattung

Bei der Aussattung hat der Godox TT 685 ein klein wenig mehr zu bieten. Er kann zum Beispiel Stroboskopblitzen. Frequenzen und Wiederholungszahl können variiert werden. Des Weiteren kann er im optischen Fernsteuermodus auch in die Rolle des Masters schlüpfen. Der Nissin Di 700 A begnügt sich mit der Rolle des Slaves. Er lässt sich aber problemlos von einem TT 685 über das optische Signal steuern. Feine Sache. Dem Metz konnte ich diese Eigenschaft noch nicht entlocken. Lediglich im Modus “Servo” kann er kabellos von einem der anderen Blitze ausgelöst werden. Zu prüfen wäre noch, ob der Metz als Master die Blitze der beiden anderen Hersteller unter Kontrolle halten kann. Ich werde das demnächst mal testen.

Nissin: Einfaches Konzept mit kleinen Schwächen

Wo liegen also die großen Unterschiede zwischen dem Godox TT 685 und dem Nissin Di 700 A? Sie liegen in der Bedienung. Der Godox liefert auf seiner Rückseite im Display den besseren Überblick und er hat mehr Einstellmöglichkeiten. Der Nissin ist ein Blitz ohne Schnickschnack. Der Di 700 A macht das, was er soll: blitzen. Und das in verschiedenen Modi, mit Korrekturmöglichkeiten, auf der Kamera, neben der Kamera, mit TTL oder manuell. Damit kann man arbeiten, stößt aber eher auch mal an Grenzen.

Rückseite des Blitzgerätes Nissin Di 700 A
Display des Nissin Di 700 A: Der Modus wird in oben angezeigt, darunter wird die Belichtungskorrektur angegeben. Verstellt wird sie mittels Wählrad am Blitz oder an der Fernsteuerung Air Commander.

Das einfache LED-Display des Nissin gibt nicht so viel Aufschluss wie das klassische LCD-Display des Godox. Und der Nissin Di 700 A hat nur drei Knöpfe sowie ein Drehrad. Meistens genügt das. Doch manchmal nervt dieses “Weniger” umso mehr. Das reduzierte Bedienkonzept des Nissin ist mir persönlich etwas zu reduziert.

Will man zum Beispiel den HSS-Modus aktivieren, muss man die LED-Taste, die normalerweise die Blitzbereitschaft anzeigt, für zwei Sekunden gedrückt halten. Die LED wechselt daraufhin von Dauerlicht in ein Blinksignal und zeigt damit an, dass HSS aktiviert ist. Leider sieht man nicht, wann der Di 700 A in den HSS-Betrieb gewechselt hat – man hat schließlich den Finger auf der LED-Taste. Überdies ist das Blinken bei hellem Tageslicht schwer zu erkennen.

Beim Godox gibt es eine Taste für den HSS-Modus. Wenn man diese drückt, erscheint im Display ein entsprechendes Symbol. Fertig.

zwei Kompaktblitzgeräte nebeneinander
Standardausstattung beim Nissin Di 700 A und beim Godox TT 685: kippbare und drehbare Blitzköpfe, Streuscheiben und Reflektorkarten.

Die Belichtungskorrektur des Godox ist feiner, er lässt Korrekturen in Drittelschritten zu. Der Nissin kann im manuellen Modus nur in acht ganzen Blendenstufen angepasst werden, im TTL-Modus in halben Stufen. Wer mit dem Nissin präziser justieren möchte, kann die Blitzbelichtungskorrektur der Kamera nutzen – sofern sie auf Drittelschritte ausgelegt ist.

Soll der Zoom-Reflektor des Nissin manuell angepasst werden, so geht das im Off-Kamera-Betrieb nur über die Fernsteuerung “Air Commander”. Direkt am Blitz ist diese Funktion nicht verfügbar. Damit kann man im Regelfall leben. Kommt der Nissin zum Beispiel als Servoblitz im Verbund mit Blitzen anderer Hersteller zum Einsatz, wird es aber schnell nervig, wenn sich der Zoomreflektor nicht am Blitzgerät anpassen lässt. Entweder akzeptiert man die Einstellung, die der Blitz vorgibt, oder man muss extra für die Zoomeinstellung den Air Commander aktivieren.

Der Godox macht es genau anders herum: Den Reflektor des TT 685 muss man am Blitz verstellen. Zumindest mit der Fernbedienung X1 hat man meines Wissens keinen manuellen Zugriff auf den Zoom-Reflektor. Ist der Blitz ist hoch oben am Stativ montiert, hilft nur Stativ einfahren, bis der Blitz wieder auf Augenhöhe ist. Auch keine Ideallösung.

Fernsteuerungen Air Commander und X1: Nobody is perfect

Für den Di 700 A und die funkfähigen Godox-Blitze gibt es Fernbedienungen. Bei Nissin heißt sie, wie bereits gesagt, Air Commander. Bei Godox hat man die Wahl zwischen dem Modul X1 und dem etwas neueren XT32. Der X1 kann TTL, der XT32 nicht. Der XT32 hat das deutlich größere Display und unterstützt 16 Blitzgruppen, der X1 lediglich drei. HSS-fähig sind beide. Ich setze den X1 ein, den X32 für Sony habe ich zum aktuellen Zeitpunkt, Ende Februar 2017, in Deutschland noch nicht im Angebot gesehen.

Der Air Commander und der X1 schenken sich nicht viel. Der Air Commander ist größer, hat das größere Display, über die Einstellungen wird man, wie am Blitz, per LED und Leuchtschrift informiert. Die Bedienung ist einfach, wenngleich die HSS-Einstellung und der Verbindungsaufbau zum Blitz nur mit Tastenkombination oder längerem Tastendruck funktioniert. Der Air Commander kann drei Gruppen verwalten, will man den Zoomreflektor eines Blitzes einstellen, so geht das nur im manuellen Modus. Die Zoom-Einstellung ist nicht mehr sichtbar, sobald man wieder in die Ansicht der Blitzkorrekturen wechselt.

Der X1 hat seitlich den Ein- und Ausschalter, sowie den Schalter für das AF-Hilfslicht. An der Frontseite bietet er drei sehr kleine Bedientasten und ein Einstellrad. Damit legt man Korrekturwerte, Modus, Gruppe und Funkkanal fest. Alle Einstellungen werden auf dem Mini-LCD angezeigt. Die Zoomeinstellung des jeweiligen Blitzreflektors ist nur am Blitz erkennbar, nicht jedoch am X1.
Ein wenig umständlich finde ich die Auswahl einer bestimmten Gruppe. Befindet man sich in Blitz-Gruppe C und will in Gruppe B eine Einstellung vornehmen, dann kann man nicht direkt von C auf B zurückspringen, sondern muss über A auf B scrollen. Kleinigkeit, aber eben nicht optimal gelöst.

Übrigens: Setzt man den Godox X1 auf die Sony A7, dann muss man den Blitzmodus im Kameramenü auf “Aufhellblitz” einstellen. Der Nissin Air Commander verlangt nach dem Modus “Drahtlos Blitz”.

Fazit: Tendenz zum Godox

Ich war mit dem Nissin Di 700 A bisher zufrieden. Lediglich die genannten Schwächen in der Bedienung sind mir negativ aufgefallen. Kein Grund aber, vom Nissin Di 700 A abzuraten. Er ist einfach gehalten, bietet mehr als genug Möglichkeiten für die Blitzfotografie – egal ob on- oder off-camera.

Der Godox TT 685 kann etwas mehr und mir persönlich gefällt das Bedienkonzept besser. Vor allem dann, wenn ich mit mehreren Blitzen arbeite. Das Display ist informativer, die Bedienung Dank der vielen Knöpfe einfacher. Da lässt es sich sogar verschmerzen, dass manche Funktionen nicht immer auf der selben Taste liegen. Das Display zeigt einem übrigens auch an, wenn ein Blitz im Slave-Modus betrieben wird – dann wechselt die Displayfarbe von grün auf rot.
Ein weiterer Pluspunkt von Godox ist das große Angebot, das von manuellen Kompaktblitzgeräten bis zum 600 Ws starken TTL-fähigen Akkublitz mit Funkfernsteuerung reicht. Man kann im Godox-System Schritt für Schritt sein Equipment erweitern.

Preislich ist der Godox vom Nissin zurzeit offenbar nicht zu schlagen. Den TT 685 S, also die Sony-Version, gibt es (Ende Februar 2017) für 108 Euro. Das Paket aus TT 685 S, X1 sowie einem Folienset nebst Minisoftbox und Reinigungsset beläuft sich auf 149 Euro. Die Folien taugen wenig, die Softbox ist auch eher mäßig. Aber für Blitz und Funksteuerung ist das im Sony-Sektor sehr günstig. Die Kombination aus Di 700 A und Nissin Air Commander schägt mit rund 189 Euro zu Buche. Auch das ist, gemessen an der Leistung, ein attraktives Angebot.

Sony bietet Funkblitz an: HVL F 45 RM

Sony hat inzwischen ebenfalls einen Funkblitz auf den Markt gebracht: den HVL F 45 RM. Der wechselt im Moment für 479 Euro den Besitzer. Der Blitz soll spritzwasser- und staubgeschützt sein und einen integrierten Sender haben, mit dem er weitere Blitze steuern kann. Will man ihn off-camera nutzen, braucht man zusätzlich den Sender FA-WRC1 M. Dann werden weitere rund 360 Euro fällig.

So gesehen präsentieren sich Nissin und Godox als wahre Schnäppchen.

chb

chrib
studierte Technische Biologie und Wissenschaftskommunikation. Er arbeitet als Texter und Fotograf für Unternehmen, Agenturen und Organisationen.

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