Sony a7 in action

Sony a7 in action

Reviews zur Sony a7 kommen häufig zum Ergebnis, dass die a7 für Reportagen, Sport und Wildlife nicht die erste Wahl ist. Zum Thema Wildlife kann ich nichts sagen, ich habe aber zumindest den Versuch unternommen, die Sony a7 mit Motiven, die sich bewegen, zu testen.

Worauf kommt es an, wenn es schnell gehen muss beim Fotografieren? Auf den Autofokus, auf die Ansprechzeit der Kamera, die Auslöseverzögerung und die Bildfrequenz – und den Fotografen, aber um den soll es hier nicht gehen.
Erfasst der Autofokus die Schärfe zu langsam oder vergehen Schaltsekunden bis nach dem Auslösen der Verschluss endlich abläuft, wird es nichts mit dem Schnappschuss. Das gleiche gilt für Ansprechzeit und Bildfrequenz. Ist die Kamera sofort startklar, wenn man sie ans Auge nimmt oder durch andrücken des Auslösers sofort aktiviert, dann erhöht man seine Chancen, im richtigen Moment das richtige Bild zu machen. Eine hohe Bildfrequenz schafft mehr Auswahlmöglichkeiten. Wer mit acht bis zehn Bildern pro Sekunde fotografiert, sichert sich mehr Optionen auf einen Volltreffer.

Wie verhält sich die Sony a7 in dieser Gemengelage an Einflussfaktoren? Den Autofokus darf man als schnell bezeichnen, wohl wissend, dass andere das noch besser können. Aber ich will mich hier nicht an wenigen Sekundenbruchteilen hin oder her aufhalten. Die Sony a7 fokussiert schnell genug, um auch bewegte Objekte scharf stellen zu können. Das gilt für beide Objektive, die ich zurzeit an der a7 vewende: das 28-70 Kit-Objektiv und das Zeiss 1,8/55.
Schon vor zehn Jahren, als die AF-Systeme noch wesentlich träger waren als heute, und insbesondere auch zu Zeiten, in denen die Fotografen noch manuell scharf stellten, sind herrausragende Bilder in der Sport-, Wildlife- und Reportagefotografie entstanden. Daher will ich für die Sony a7 nochmal betonen: Der Autofokus ist schnell genug, um den entscheidenden Moment einfangen zu können.

Wo sich die Sony a7 jedoch Zeit lässt, ist beim Weckruf. Befindet sie sich im Standby-Modus, dann ist sie ähnlich agil mit dem Umschalten auf Aktion wie ein übernächtigter Teenager am Sonntagmorgen um halbacht.  Fast zwei Sekunden vergehen, bis der Sucher ein Bild zeigt. Während der Kennenlernphase kann einen das schon irritieren. Man denkt, der AKku sei leer, die Kamera ausgeschaltet oder an eine Störung – aber nein: die macht das immer so. Da hilft nur, immer wieder kurz den Auslöser andrücken, solange man auf ein Motiv wartet. Dann ist die Sony a7 auch sofort startklar und legt los.

Als recht kurz emfpinde ich Auslöseverzögerung. In der Praxis wäre mir bislang nicht aufgefallen, dass die Kamera vor sich hin döst – das tut sie nur im Standbybetrieb. In Tests wird die Auslöseverzögerung einschließlich AF-Zeit mit unter 0,3 Sekunden angegeben. Das ist ein Wert, mit dem man sehr gut arbeiten kann.

In der Disziplin “Bildfrequenz” ist die Sony a7 kein Meister. Mit ihren fünf Bildern pro Sekunde spielt sie nach heutigen Maßstäben vielleicht in der Oberliga – die Top-Kameras liegen bei zehn bis zwölf Bildern pro Sekunde. Was die Leistung der Sony stark relativiert ist die Tatsache, dass die fünf Bilder pro Sekunde nur ohne Autofokusnachführung geschossen werden können. Mit AF-Nachführung liegt die Bildfrequenz zwischen zwei und drei Bildern pro Sekunde – das reicht gerade noch für die Bezirksklasse. Diese Beschränkung ist, das unterstelle ich Sony nun mal, hausgemacht und gewollt. Technisch wäre sicher mehr drin.

Wenn es ums Tempo geht, ist die a7 also vor allem wegen der Bildfrequenz limitiert. Alles andere ist sehr gut oder, wie die Trägheit beim Aufwachen, zumindest beherrschbar. Mit der niedrigen Bildfrequenz hat Sony den Fotografen aber ein Ei ins Nest gelegt. Die Kamera ist klein, leicht, der AF ist schnell, das Gehäuse ist wasser- und staubgeschützt – viele Merkmale, die für Reportage, Sport, Wildlife hilfreich sind. Aber die BIldfrequenz ist auf dem Niveau von Hobby-Knipsen.

Dass man mit der Sony a7 trotzdem bewegte Objekte fotogafieren kann, sollen die beiden Beispeilbilder unten zeigen – einmal beim Sport aufgenommen, einmal am Pool inszeniert. Beim inszenierten Bild würde die fehlende AF-Nachführung der höheren Bildfrequenz kaum zum Tragen kommen, weil die Bewegung parallel zur Sensorebene abläuft. Ich habe dieses Bild dennoch im langsameren Serienmodus mit AF-Nachführung gemacht.  Mit etwas Geduld und vorzählen trifft man nach wenigen Versuchen den richtigen Moment.

Das Sportfoto wurde im Serienmodus mit Auslösepriorität gemacht. Hier zeigen sich die Grenzen der Sony a7. Der richtige Moment wurde dank höherer Bildfrequenz zwar erwischt, aber die Schärfe sitzt nicht mehr exakt. Die Bewegung führt von der Kamera weg, Schärfenachführung wäre also ein Plus. Für ein Zeitungsfoto oder ein Bild im Web ist die Qualität immer noch ausreichend. Würde man einen großen Ausdruck machen wollen, wäre das Limit jedoch schnell erreicht.

Ich teile das Fazit der Reviews. Die a7 ist für schnell bewegte Objekte zwar nicht gänzlich ungeeignet. Ihre Stärken liegen aber woanders.

Bewegtes Motiv, fotografiert im langsamen Serienbildmodus mit AF-Nachführung. Sony a7, Kit-Objektiv FE 28-70 OSS, t=1/800s, a=5,0 ISO 800
Fotografiert im langsamen Serienbildmodus mit AF-Nachführung.
Sony a7, Kit-Objektiv FE 28-70 OSS (60mm), t=1/800s, f=5,0, ISO 800

 

Judo
Serienmodus ohne AF-Nachführung, Sony a7, Sony FE 1,8/55, t=1/1000s, f=2,0, ISO 1600

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Christoph Bächtle
studierte Technische Biologie und Wissenschaftskommunikation. Er arbeitet als Texter und Fotograf für Unternehmen, Agenturen und Organisationen.

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